Diplomarbeit zu Recruiting mittels Social Media

Im Zuge meiner (ersten) Diplomarbeit 2003 hab ich für ein Interview Gerald Reischl vom Kurier getroffen. Der überaus geschäftstüchtige Reischl hat mir damals zu einer kommerziellen Verwertung meiner Arbeit geraten. Damals war mir das viel zu kommerzgeil, heute versteh ich den guten Mann schon eher: man steckt viel Zeit rein in die Diplomarbeit, da wärs doch nett wenn sich das Ding dann auch verkaufen lässt.

Nun absolviere ich seit 2011 den Masterlehrgang für Unternehmensfuehrung an der FH Wien und werde meine (zweite) Diplomarbeit im Themenkomplex von Recruiting und Employer Branding mittels Social Media schreiben.

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Letztes Jahr hab ich ein  Kundenprojekt für eine internationale Anwaltskanzlei und eine darauf aufbauende Seminararbeit in Marketing zu dem Thema gemacht, für mittelgrosse Firmen ist das Thema schon sehr spannend und noch wenig besetzt. Mein Interesse gilt also dem Thema und der Frage, daraus eine kommerziell verwertbare Publikation machen zu können. Aus meinen Kundenprojekten zum Thema Social Media, im speziellen zu Employer Branding und Recruiting sind mir die Rahmenbedingungen, innnerhalb deren viele Firmen agieren bewusst. Ich stelle mir eine Publikation mit einem einfachen Leitfaden für Unternehmen zum Thema vor, eventuell angereichert um einen Beauftragungskatalog mit einer Checkliste der wichtigsten Punkte für die Unternehmen, wissenschaftlich anhand der Theorie und praxisrelevant anhand der Best Practices von anderen Unternehmen.

Meine erste Diplomarbeit im Diplomstudium Medientechnik – und Design zum Thema Anonymität im Internet findet sich hier in einem  Artikel im Blog, bzw auf der offiziellen Website zur DA und zum anhängigen Projekt Open Anonymity. Die zweite Diplomarbeit wird nun auch unter verschärften formal-wissenschaftlichen Gesichtspunkten stattfinden (in Hagenberg vor 10 Jahren gings diesbezüglich noch eher ruhig zur und um die Sache). Ob qualitative oder quantitative Forschung steht noch nicht fest, derzeit überlege ich ausserdem noch über eine Branchenfestlegung bzw Firmengrösseneinordnung („Mittelstand“).

Darum, alle Tipps und Angebote diesbezüglich herzlich Willkommen!


Vienna Location Service als Sieger des Projektstipendiums beim BBDEV#3

Gemeinsam mit Klemens Schrattenbacher von RIM haben wir bei der Blackberry Developer Gruppe Wien ein Projektstipendium in Höhe von 2500 USD ausgeschrieben. Letzten Donnerstag war es nun soweit, 6 Finalisten haben sich der Abstimmung durch das zahlreich erschienene Publikum gestellt. Folgende Nominierten haben ihre Ideen und Projekte jeweils in 5 Minuten beim Blackberry Developer Meeting #3 letzten Donnerstag präsentiert:

  • Dr Sun: Eine App zur Ermittlung der Eigenschutzzeit der Haut bzw des nötigen Sonnenschutzfaktors. Präsentiert von Martin Koch
  • conference2go: Konferenzplanungstool (Client für Besucher, Manager App zur Planung) für Blackberry Smartphone und Playbook von Florian Pirchner und  Ekkehard Gentz
  • Naturführer: App zur Erkennung von Pflanzen und Pilzen über Mustererkennung, Orts-und Jahreszeitplausibilität. Präsentiert von Andrea Kerth von 7twenty.
  • CMS2App: Eine WordPress-Erweiterung, um WordPress als CMS für eine BlackBerry App zu verwenden und ohne Programmierkenntnisse eine App zu erstellen. Entwickelt von der Firma Creative Workline aus Wien/Berlin, präsentiert von Klemens Zleptnig
  • BlackBird: Twitter Client fürs Playbook, entwickelt von Genoa
  • Vienna Location Service: Eine BlackBerry App fürs Smartphone und fürs Playbook für den schnellen Zugriff auf Umgebungsinformationen (Zugriff auf die Daten der Stadt Wien über die OpenData Initiative, wie Öffentliche Trinkbrunnen, WCs, Museen, Krankenhäuser, Citybike Stationen, Events uvm). Präsentiert von Aldrian Peter, Meier Uwe und Pura Andre von Mappau.
bbdev#3 Blackberry Developer Group Preisverleihung Projektstipendium
Alle Besucher des Blackberry Developer Meetings waren stimmberechtigt, ich hab gemeinsam mit Michael Hilgers die Auszählung der 28 gültigen Stimmzettel gemacht. Hier die Rangliste der ersten 3:
  1. Vienna Location Service von Peter, Uwe und Andre von Mappau.
  2. Naturführer von Andrea von 7TWENTY
  3. BlackBird von Genoa
Ich war generell von den ausgewählten Projekten angetan, die Siegeridee hat dann denke ich weniger aufgrund der Neuigkeit der Idee denn der liebevollen Details in der Umsetzung gewonnen. Ausserdem haben meiner Meinung nach die 3 Jungs von Mappau gut der Idee des Projektstipendiums entsprochen. Gratulation an Peter, Uwe und Andre – ich hoffe wir sehen die App bald in der AppWorld. Weiters natürlich danke an die anderen Teilnehmer fürs mitmachen (@Teilnehmer: Wenn ihr mir den Link zu eurer Präsentation schickt, verlinke ich das gerne).

Barcamp und MobileCamp am 20. und 21. November bei HP

Ich hab mir die Barcamp Regel, aktiv zum gelingen des Barcamps beizutragen, zu Herzen genommen und helfe gemeinsam mit ein paar Freunden und Bekannten bei der Planung und Durchführung des nächsten Barcamp in Wien am 20. und 21. November bei HP.
ACHTUNG: Der Termin für das Barcamp und das MobileCamp wurde geändert, es war ursprünglich für Anfang Oktober geplant.

Zusätzlich zum  für alle Themen offenen Barcamp gibt es das MobileCamp mit (hoffentlich vielen) Beiträgen rund um Mobile Web, Apps, Devices und Services. Das Barcamp/MobileCamp wird bei HP stattfinden und es sind natürlich alle willkommen vorbeizuschauen.
Wer sich von den Barcamp Regeln abschrecken lässt kann beruhigt sein, niemand muss dort was präsentieren, es geht nur um das aktive teilnehmen und mitdiskutieren. Bei erwarteten 200 Teilnehmern wäre alles andere auch schwierig. Das Barcamp findet Samstag/Sonntag statt, man kann natürlich auch nur an einem Tag vorbeikommen.
Es freut mich, gemeinsam mit Eva-Maria, Kathrin, Dieter, Mark und Erich zum Gelingen des Barcamps beizutragen und hoffe ich kann viele dazu animieren hinzugehen.

Qype Gruppen und Guides – Aktivitäten extern anzeigen

Nach einer Evaluierung von Möglichkeiten bei Qype, Aktivitäten/Ereignisse in Gruppen(Container für Personen, Forum, Fotos, Guides) und Guides (Container für gesammelte Lokalbewertungen) aus Qype in externen Applikationen anzuzeigen konnte ich folgende Erkenntnisse gewinnen:

Qype hat bekannterweise eine API, die allerdings keine Infos bezogen auf Gruppen oder Guides hergibt. Die API scheint sich ausschliesslich auf Locations/Places und deren Reviews zu beziehen.

Unter Qype Services enthält man Infos zum Qype Widget und zu Qype Buttons (beides personenbezogen, nicht für Gruppen oder Guides geeignet).

RSS Feeds sucht man zwar nicht vergebens, aber lange:

Alles in allem sind die Möglichkeiten, Gruppen- und Guidesaktivitäten kombiniert extern anzuzeigen, sehr dürftig – ein Badge oder Gruppenfeed wäre wünschenswert. Die Verwendung von Qype als gemeinsamer Service einer Gruppe, wie wir das mit PXP recommends bei PXP machen, sollte man sich also gut überlegen. Um die Aktivitäten einer Qype-Gruppe extern anzuzeigen muss man schon einiges machen:

  • Sich vorab einen „Tag“ ausmachen (zb alle taggen ihre Reviews mit Namen der Gruppe): Das ist besonders unschön, weil dies sicher viele vergessen zu verwenden. Die Ursache: Eine Qype API Ressource für Gruppen oder Guides fehlt, deshalb gibt es keine Zuordnung von Reviews zu Gruppen oder Guides
  • Alle Feeds aller Einzelmitglieder aggregieren (oder über API holen)
  • Aggregierte Reviews filtern nach vorhandensein des Tags
  • Den Forenfeed abgreifen (um zusätzlich die Diskussionen in den Gruppen anzeigen zu können)
  • Über die API Zusatzinfos holen (Userdaten, Infos zu Places)
  • Alles gut durchmischen und grafisch optimiert anzeigen

Viel Aufwand für eine recht simple Anforderung, die gerade bezüglich Marketingaktivitäten Sinn machen und mancher vielleicht auch gerne bezahlen würde.


Nokia App Forum Alps – Entwicklerkonferenz für Mobile/Webdeveloper in Hagenberg

Ich bin nun seit ca 4 Monaten dabei, für Nokia Österreich und Nokia Schweiz ein grösseres Projekt umzusetzen, bei dem es um den Beziehungsaufbau von Nokia AT/CH zu lokalen Developer und Entwicklerfirmen geht. Das Projekt hat sich im Zuge des Launch des Nokia N900 entwickelt (das N900 ist ein Linux (Maemo OS) basiertes Nokia Phone, welches ich jetzt  schon seit Monaten sehr gerne verwende )

Die genauen Inhalte der Gesamtaktion kann man auf www.nokiaappforum.com nachlesen (Blog Seeding des N900, Developer Competition, Developer Conference), am 5. und 6. März geht eine Developerkonferenz in Hagenberg über die Bühne. Die Teilnahme an der Konferenz ist kostenlos, die Plätze sind allerdings begrenzt.

Banner Nokia App Forum

Es freut mich, dass es uns gelungen ist, zusätzlich zu Nokia spezifischen Beiträgen (zu Qt, Maemo ) auch etwas breitere Themen für Web Developer anzubieten:

  • Vorträge und Sessions zu Phonegap: Phonegap ist „Mobile Development made easy„, für Web Developer leicht zu erlernen (HTML, Javascript, CSS) und ausserdem Cross-Plattform fähig. D.h. von einer Codebase für Nokia, iPhone OS und Android entwickeln. Den Vortrag halten Eva Maria Michelcic (thanks Markus für Hinweis) und Anton Pirker
  • Vorträge und Sessions zu Web Runtime Toolkit/ Widgets: Die Nokia Technologie, um mit typischen Web Development Knowhow Apps zu entwickeln. Baut ebenfalls auf HTML/JavaScript/CSS auf, mit JavaScript Zugriff auf einige device APIs.
  • Mobile Website Development: Auch wenn die ganze (mobile) Welt scheinbar über nichts als Apps redet – Mobiloptimierte Websites sind mir persönlich viel wichtiger. Ein Kollege von PXP zeigt in einer Session ein paar Tricks zum Thema anhand eines Kundenprojektes,  des Pressehandbuchs.
  • Wikitude: Mobilizy werden eine neue Version ihrer Nokia AR App präsentieren und ein bisschen über ihre Erfahrung mit dem Nokia Ovi Store erzählen

Die Zielgruppe sind also nicht nur Hardcore-Mobiledeveloper, sondern viel mehr genauso technisch Interessierte Projektmanager wie Web Developer. Ausserdem findet am Freitag abend der MobileMonday zum Thema App Marketing statt, das MoMo Team hat einige sehr interessante Personen eingeladen.

Die genauen Inhalte der Gesamtaktion kann man auf www.nokiaappforum.com nachlesen, die Anmeldung erfolgt über Amiando:

Zum Nokia Mobile Developer Forum Anmelden

Am Projekt und an der Umsetzung beteiligt sind  neben Nokia und PXP auch Sabine und Vera von Ambuzzador, weiters danke ich Mark Kramer und Peter Vesterbacka für inhaltlich/organisatorischen Rat.


Facebook in CEE – Entwicklung der Userdaten

Ich beobachte seit einiger Zeit die Entwicklung der Userzahlen auf den relevanten Social Community Plattformen im CEE Raum (Central Eastern Europe), um bei Kundenprojekten ein Argumentarium für den Einsatz einzelner Plattformen zu haben. Eine Plattform, bei der die Zuwachsraten an Benutzer immer noch beeindruckend sind, und die Details über den Facebook Werbeplaner auch detailliert zugängig, ist Facebook.

Die Userzahlen in Österreich im Segment 18+ (User = Person mit einem Facebook Profil, Alter 18 bis beliebig) haben sich von Juli 2008 bis heute (23. August 2009) von 103.000 auf 775.000 beinahe verachtfacht. In Tschechien haben sich die Zahlen im selben Zeitraum und Segment verzwanzigfacht (50.000 -> 1 Million).

Herkunft und Verlässlichkeit der Daten:

Ich habe die Daten im Laufe des letzten Jahres im Facebook Werbeplaner ermittelt. Die Bestimmung des Herkunftslandes auf Facebook dürfte einigermassen sicher sein. Eigenaussage Facebook: Facebook-Werbeanzeigen verwenden die IP-Adresse und die Profilinformationen eines Nutzers, um dessen Standort zu bestimmen. Für die Bestimmung des Alters muss sich Facebook auf die Profildaten der User verlassen, diese sind aber Bekanntermassen recht häufig korrekt.

Checkfacebook ist die Alternative zur Abfrage der Userzahlen und Segmente und stellt die Zahlen übersichtlicher dar als das Facebook Werbeplanungstool. Beide Tools stellen nur gegenwärtige Zahlen dar, ich hab mir die Mühe gemacht und meine aufgezeichneten Daten in ein Diagramm eingefügt.

Hier die Zahlen im Detail:

Facebook-Statistiken CEE Juni 2008 - August 2009

Erklärung zum Diagramm:

  • Ich habe nicht für alle Länder gleichzeitig begonnen, die Daten zu sammeln. Diese beginnen deshalb zu einem späteren Zeitpunkt der x-Achse
  • Für die meisten Länder hab ich das Alterssegment 18+ (Alter 18 bis beliebig) betrachtet. Bei Österreich und Schweiz sind auch die Gesamtzahlen (Alter beliebig bis beliebig) enthalten
  • Die Zahlen zeigen registrierte Userprofile zum Zeitpunkt x. Diese Zahlen sagen klarerweise nichts über die Aktivität der User aus

Wer zum Eigenstudium die Basisdaten bzw das Exceldiagramm haben will, bitte ich um ein Kommentar auf der Seite mit Emailadresse. Bei den Basisdaten sind noch die Zahlen von Deutschland und Frankreich enthalten.

Ich finde interessant, dass manche Verlaufskurven beinahe linear und relativ flach sind (Kroatien, Slowenien) während viele andere auf hohem Niveau nachwievor stark ansteigen (Schweiz, Griechenland, Israel). Wenn man die Schweizer Kurve genau ansieht sieht man, dass sie derzeit stärker bei den unter 18 jährigen wächst.

Die Schweiz finde ich hierbei generell ein Phänomen. Die Schweiz hat weniger Einwohner als Österreich aber derzeit ca doppelt soviele Facebook User (übrigens fast wie bei Israel und Griechenland). Da die Schweiz auch bei anderen Social Communities stärker vertreten ist als Österreich (Netlog) kanns wohl nur an der Kontaktfreude der Schweizer liegen.


Die Motivation der User Generated Content Maschine

Warum beteiligen sich so viele Menschen in sozialen Medien (Social Media) und produzieren Leistungen, die dann von Anderen direkt oder indirekt zu Profit gemacht werden?  Ich habe in den letzten Jahren Social Media Projekte sowohl im Intranet- als auch im Internetbereich gemacht und weitere beobachtet – die Frage der Motivationsfaktoren für die Partizipation in sozialen Medien wird aus meiner Sicht ihrer Wertigkeit entsprechend nicht fundiert genug behandelt und häufig auf den Faktor Selbstdarstellung reduziert. Dabei erinnert mich die Thematik an meine Zeit in Open Source Projekten, wo Aussenstehende die Frage nach der Motivation der Mitwirkenden an OSS auch ähnlich nebulös diskutiert haben. Darum habe ich versucht, weiter unten eine Liste der Motivationsfaktoren für die Beteiligung an Social Media zusammenzustellen.

Bei der Werbeplanung Summit in Wien hab ich wieder eine kurze Diskussion mitverfolgt, was die „User“ eigentlich dazu treibt, sich willfährig zur „Produktionsmaschine“ des „User generated Content“ zu machen. Aus professionellen Gründen steht diese Problematik in den letzten 3 Jahren im Zentrum meiner Tätigkeit und ich bemerke, dass ich der Frage selbst noch nie wirklich projektübergreifend und analytisch auf den Grund gegangen bin.  Eine Recherche im Internet bringt ausser sehr allgemein gehaltene Quellen (McKinsey Studie, die in die selbe Richtung geht,  Motivationtheorie mit Maslow als Basis) nichts für mich wirklich passendes zu Tage, darum habe ich die Punkte zusammengefasst, die meiner Meinung nach als Motivationsfaktoren für Partizipation in sozialen Medien zutreffen. Für eine wirklich analytische Herangehensweise müsste man zuerst das breite Themenfeld der sozialen Medien kategorisieren, um dann die Motivationsfaktoren treffender zuordnen zu können – und natürlich eine aussagekräftige Umfrage machen. Trotzdem vorab ein Versuch einer Liste der Motivationsfaktoren:

Intrinsische Faktoren (die Motivation entsteht aus der Person selbst heraus und nicht durch externe Einflüsse (z.B. Belohnung ) oder Kontrolle – siehe Wikipedia Motivation)

  1. Kommunikationsbedürfnis/Mitteilungsbedürfnis: der menschliche Drang nach Kommunikation (sich Freunden und Fremden mitteilen). Self-Disclosure beschreibt die Strategie, wie Menschen durch Aufgabe von Privatheit Vertrautheit mit Anderen erlangen. Bsp: Facebook, Twitter, Kommentare in Blogs
  2. Altruismus, Selbstlosigkeit, Hilfsbereitschaft, Dienst an der Gemeinschaft, Glaube an ein hehres Ziel : Altruismus ist beschrieben als eine Verhaltensweise, die einem Individuum mehr Kosten als Nutzen einbringt zugunsten eines anderen Individuums. Die Verfolgung eines höheren Ziels, um einem grösseren Ganzen zu dienen, eine Ideologie verfolgen findet sich zb in Wikipedia ( obwohl auch dort nur einer von vielen anderen Motivationsfaktoren)
  3. Selbstverwirklichung: Ich finde diese Motivation gehört in die Liste, es fallen mir aber keine Beispiele ein
  4. Eigennutzen: Der Dienst befriedigt eigene Bedürfnisse oder löst Probleme und zweitrangig bzw zusätzlich Bedürfnisse Anderer. Bsp: delicious, Craigslist, last.fm, flickr, YouTube als Videohosting
  5. Exhibitionismus, Selbstdarstellung, Geltungsdrang: Wahlweise in erträglichen und oftmals in unerträglichen Maße. Bsp: YouTube, Themenvideocommunities. Hierauf setzen Brands in unzähligen „Zeig was du kannst und werde ein Star“-Kampagnen
  6. Spieltrieb, Spass, Neugierde, gepaart mit Technologieverspieltheit: das ausprobieren von neuen Services, die Techcrunch Karawane, die von Service zu Service zieht. Facebook Apps „Which xyz are you“ und FB Zombie Spiele.
  7. Gruppenbindung: grundsätzlich positiv besetzt (negativ siehe Gruppenzwang).  Evolutionär bedingte Motivation, sich Gruppen anzuschliessen, im Idealfall Gruppen mit ähnlichen Interessen. Die „Safety in numbers“ Hypothese geht zb davon aus, das es für Menschen sicherer ist, sich in grösseren Massen zu bewegen.  Bsp: Social Community Plattformen, Themencommunities

Extrinsische Faktoren (siehe Wikipedia Motivation)

  1. Ego Marketing: Selbstvermarktung, Eigenmarketing im professionellen oder semi-professionellen Bereich. Der Wunsch,  Status zu erlangen, zusätzlich evtl kommerziellen Absichten (direkt oder indirekt: Job, Auftrag, Marktwert). Bsp: Blogs, Xing, Slideshare.
  2. Monetäre Vermarktung: monetäre Vorteile durch oder wegen Eigenmarketing oder wegen Verdienst an der Sache. Bsp: Blogs und Ads, Affiliates
  3. Monetäre oder sachbezogene Anreize: Beteiligung an UGC Plattformen gegen Erhalt von Goodies wie Gewinnspiele und Preise. Bsp: ein Grossteil der Kampagnen von Brands zielt auf diesen Motivationsfaktor ab – „Lade dein Video hoch und nimm an Gewinnspiel teil“
  4. Zwang, Gruppenzwang, Angst vor Strafe bzw negative Konsequenzen: Häufig in Intranets anzutreffen. Die Qualität der Mitwirkung an UGC tendiert gegen Null. Auch in Facebook und ähnlichen Platformen anzutreffen, deren Userbasis gross genug ist („du bist gar nicht auf Facebook?“ …, die Angst, etwas zu versäumen oder ausgeschlossen zu sein). Die Herdenmentalität (interessanter Artikel dazu siehe onlineberatung-therapie – Herdenmentalität) beschreibt, dass es nur eine kleine Gruppe von Personen braucht, um die Mehrheit zu lenken. Auf dieser Grundlage basiert das Prinzip der Claqueure, bezahlte Theaterbesucher, die Applaus spenden um damit das Publikum zum Applaudieren zu bewegen.
  5. Wettbewerb: In unzähligen Ausprägungen, positiv wie negativ. „Wie viele Follower/Freunde hast du?“, „Wer ist hübscher“, „Wer schreibt die meisten Beiträge/hat die meisten Viewer“

Meist treffen mehrere Faktoren gleichzeitig zu, und Services, die viele verschiedene Motivationsfaktoren abdecken können, haben ein grösseres Potential für Erfolg (vgl YouTube: Video hochladen, Freund werden, Voten, Kommentieren, Ranglisten, extern embedden, etc).

Viele User sind sich ihrer eigenen Motivation nicht bewusst und laufen damit Gefahr, von (manchmal gut, manchmal schlecht gemachten) Social Media Sites, produziert von Firmen und politischen Parteien, für eigennützige, meist kommerzielle Zwecke missbraucht zu werden.

Die Leistung von Social Media Prinzipien zur Öffnung von verkrusteten Strukturen und unsozialen Geschäftsmodellen (Stichwort Musikindustrie, Printmedien) stelle ich dabei nicht in Frage. Die Modelle basieren nun einmal häufig darauf, dass im Gegenzug für einen kostenlosen Service der Dienst des Users steht, dass eine kostenlos zur Verfügung gestellte Infrastruktur durch Wenige für Viele aufgewertet werden muss. Manche Services bieten eine gute Balance aus Nutzen und Kommerzialisierung, viele Services aber auch nicht.

Zu den Startups im Social Media Umfeld kommen nun in der letzten Zeit Services von Firmen hinzu, die eigentlich vom ursprünglichen Geschäftsmodell entkoppelte Marketing-Kampagnen sind (disconnected Marketing). Viele Kampagnen von Brands, Retailer, politische Parteien sind keine natürliche Verstärkung ihres Business Values, sondern Konstrukte, um auf der User Generated Content Erfolgswelle zu reiten.

Bei der next09 habe ich eine Präsentation eines norwegischen Retailers gesehen (REMA 1000), der für seine Kunden eine Kochcommunity (angeblich sehr erfolgreich) gelauncht hat (Folke Kokkene – gibts auch auf Facebook mit 180 Fans). Eine feine Sache, wenn sich die Ziele eines Unternehmens mit der Motivation ihrer Zielgruppe trifft. Was passiert aber mit der Community, wenn sich das strategische Ziel von REMA nächstes Jahr ändert oder die Erfolgsziele nicht erreicht werden? Die von den Benutzern investierte Lebenszeit war dann wohl Verschwendung. REMA1000 ist hierfür aber nur ein plakatives Beispiel, eine grosse Zahl an Firmen (besonders etablierte Brands, aber auch Startups) spielt in ähnlichem Maße mit dem geborgten Kapital ihrer User.

Medienkompetenz bedeutet für mich, sich diesen Faktoren bewusst zu sein und Selbstbestimmt zu steuern, welche Social Media Plattform man benutzt und sich im besten Fall zu Diensten macht (und dann auch gegebenenfalls dafür zahlt!). Aus diesem Grund sehe ich persönlich bis auf wenige Ausnahmen (zb Wikipedia) dezentrale Ansätze (zb Blogs) als förderungswürdiger an als getarnte „User generated Content Produktionsmaschinen“.

Ritchie Pettauers Kommentar auf der eingangs erwähnten Werbeplanung Summit kann ich einiges abgewinnen (auch wenn ich nicht daran glaube, dass irgendwann ein grosser Teil der User umfangreiche Medienkompetenz aufbaut): „Laufen UGC Modelle nicht Gefahr, durch Medienkompetenz der User ihre Basis (= die Contentproduktionsmaschinen) zu verlieren?“ (frei zitiert). Wenn ich Ritchie richtig verstanden habe hat er statt Medienkompetenz die Erkenntnis, am eigenen Content selbst zu verdienen, gesetzt.

Aus einer länger zurückliegenden Diskussion mit meinem sehr geschätzten ehemaligen Medientheorieprofessor MMag. Dr. Johann Mayr über das Thema stammt Folgendes, mit dem er die Thematik sehr treffend mit wenigen Sätzen auf den Punkt gebracht hat:

„Keine freie Szene ist so frei, wie sie vorgibt, frei zu sein.“

„Je mehr die Freiheit betont wird, desto größere (Profit)Interessen verbergen sich dahinter (Seht euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe.“ Matthäus 7, 15)“