Der Grüne Holzhammer oder das Gegenteil von gut ist gut gemeint.

Vor einer Woche bekam ich in Facebook eine Freundschaftsanfrage der mir bis dahin noch gänzlich unbekannten Eva Lichtenberger. Wie sich herausstellte ist Eva Lichtenberger Mitglied der Grünen (siehe auch Eintrag auf Wikipedia) und hat in Facebook scheinbar eine Aktion zur Imageaufwertung der EU gestartet.

Ich hab nun die letzte Woche die Entwicklung der Facebook Aktion der grünen Abgeordneten beobachtet, mittlerweile steht Eva (wir sind per du, weil eben Facebook Buddies) bei 384 Freunde (ich bin einer davon).

Auch wenn Dieter die Aktion gut findet, wie er in seinem Neuwal Blog unter Die Grünen betreten 2.0: Freundschaftsanfragen auf facebook schreibt, und auch wenn ich selbst grundsätzlich die Verwendung von Facebook für diese politische Kampagne gut finde: Die Ausführung der Aktion finde ich weniger geglückt. Eva hat eindeutig den einfacheren Weg, die Holzhammer Methode, gewählt. Da finde ich Chorherrs Ansatz, der sich scheinbar bezüglich Mediennutzung Rat aus der Blogging Szene holt deutlich charmanter und vermutlich auch nachhaltiger. Weniger Top-Down, mehr bottom up.

Ein Großteil der Freundschaftsanfragen wurden scheinbar innerhalb der letzten 10 Tage ausgesendet, bei 384 positiven Reaktionen vermute ich mal deutlich mehr Anfragen. Eva ist nun auch Mitglied der Facebook Gruppen TheGap und Datenschmutz und schreibt auf deren Wall eine Aufforderung, „Brüssel was auf die Pinwand zu schreiben“.

Die EU benötigt sicher mehr direkte Kommunikation mit den Bürgern, was ich aber in den von Eva initiierten Foren lese ist natürlich auch stark wahlkampforientiert. Besonders lustig in diesem Zusammenhang finde ich auch folgende Statusmeldung vom 12. Juli in Evas Minifeed: Eva left the group Die Grünen.

Die Fragen die sich mir stellen:

  • Ist es ok, seine Sache mittels Facebook Freundschaftsanfragen unter die Leute zu bringen?
  • Kommen jetzt in den nächsten Wochen und Monaten Freundschaftsanfragen von allen österr. EU Abgeordneten / Politikern?
  • Kommen als nächstes die Marketingmanager von Hartlauer/Media Markt/etc, senden Freundschaftsanfragen und bitten um Diskussionen zu ihren Produkten?
  • Was passiert nun weiter mit der Aktion. Hat sie sich überlegt, wie diese Aktion langfristig erfolgreich ist, z.b. bis nach der Wahl?

Ich würde Eva raten sich bezüglich Social Media Nutzung besser zu informieren/beraten zu lassen und sich nicht wieder zu Schnellschüssen verleiten zu lassen. Ein Aufbau von Online Reputation und Glaubwürdigkeit funktioniert sicher nicht über Nacht. Man sollte die Verhaltensweisen der Online Community schon kennen, ansonsten geht der Schuss nach hinten los.

Eva hat noch eine Nachricht über den Grund ihrere Aktion geschickt: „Ich kontaktiere generell Leute auf Facebook, um die Möglichkeit zu bieten Kontakt mit der Politik aufzunehmen und mehr Verständnis für Möglichkeiten und Arbeitsweisen der EU zu schaffen. Kurz gesagt, es ist ein Angebot: Wenn du Fragen zur EU hast, schreibe mir, oder poste in die Gruppe „Was wird aus der EU?“

Selbstbeschreibung Eva Lichtenberger auf Facebook:

Eva Lichtenberger ist Abgeordnete für Österreich im EU-Parlament. Ihre Schwerpunkte liegen bei Transit, Open Source und der Beziehung zwischen der EU, China und Tibet.

Eva gibt es übrigens auch auf MySpace

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4 Kommentare on “Der Grüne Holzhammer oder das Gegenteil von gut ist gut gemeint.”

  1. […] Auf NEUWAL sind während der Wahlzeit Gespräche mit mehreren Vertretern aus allen Parteien geplant. Das Gespräch mit Dr. Eva Lichtenberger ist das Erste. Daß die Gesprächsrunden ausgerechnet mit einer Politikerin aus den Reihen der „Die Grünen“ startet, ist Zufall. Die Möglichkeit hat sich über Soziale Netzwerke (facebook) zuerst eröffnet. Eva (Evelin) Lichtenberger (* 1. Juli 1954 in Zams) ist eine österreichische Politikerin der Grünen und Mitglied des Europäischen Parlaments. Eva Lichtenberger ist seit einigen Tagen mit einem eigenen Profil auf facebook.com vertreten. In österreichischen Blogs gibt es viele unterschiedliche Postings zu diesem Thema. Es wird prinzipiell sehr gut aufgenommen, daß der Dialog im Netz zu Politikern geschaffen wird. Ein anderer Blogbeitrag schreibt über „Der Grüne Holzhammer oder das Gegenteil von gut ist gut gemeint.“ […]

  2. Lieber Herr Kimpl,

    was sie in ihrem Blog schreiben, freut mich nicht, aber im Sinne konstruktiver Kritik ist es wohl nicht schlecht, das zu hören.

    Sie haben einige wichtige Punkte angesprochen. Warum machen wir das? EU-Abgeordnete sitzen im wesentlichen in Brüssel, und haben kaum Zeit, zuhause mit Leuten in dem Ausmaß zu reden, in dem es nötig wäre. Nationale Abgeordnete und Kommunalpolitiker (wie Christoph Chorherr) haben es da leichter. Die Idee war wirklich, eine Diskussion zu starten und den Leuten zuzuhören – bevor der Wahlkampf startet.

    Die andere Sache ist; unsere Themen sind eher speziell – Open Source interessiert die Durchschnittsbevölkerung nicht. Es wäre halt nett, die Leute die das tatsächlich interessiert, direkt anzusprechen und zu sagen: Wir machen da etwas. Das probieren wir mit unserem Auftritt im Web 2.0.

    Die ganzen „Freunde“ fügen wir deshalb hinzu, weil das die einzige Möglichkeit ist, irgendwen auch zu erreichen. Für bessere Vorschläge sind wir aber durchaus offen.

    Die Gruppe „Die Grünen“ wird übrigens von einem pfiffigen ÖVP-Anhänger betrieben.

    Lieben Gruß,

    Eva Lichtenberger

  3. rattomago sagt:

    Nachtrag bzgl der Behauptung, die Gruppe „Die Grünen“ wird von einem ÖVP Mitglied verwaltet: Die (offizielle?) ÖVP Gruppe auf Facebook (http://www.facebook.com/group.php?gid=12602419721) hat so wie die Gruppe „Die Grünen“ als „admin“ und „creator“ „Ploner Philipp“ angegeben.

    Es sieht also wirklich so aus, als hätte sich da jemand einen Scherz erlaubt. Eigentlich eine sehr unsaubere und kindische Aktion von Philipp Ploner, sofern in seiner Brust nicht 2 Herzen schlagen.

  4. […] Eva (Evelin) Lichtenberger (* 1. Juli 1954 in Zams) ist eine österreichische Politikerin der Grünen und Mitglied des Europäischen Parlaments. Eva Lichtenberger ist seit einigen Tagen mit einem eigenen Profil auf facebook.com vertreten. In österreichischen Blogs gibt es viele unterschiedliche Postings zu diesem Thema. Es wird prinzipiell sehr gut aufgenommen, daß der Dialog im Netz zu Politikern geschaffen wird. Ein anderer Blogbeitrag schreibt über „Der Grüne Holzhammer oder das Gegenteil von gut ist gut gemeint.“ […]


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